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Wie handabt sich eine etablierte Herde

Unsere Herde besteht nun aus sechs Mutterkühen einem Bullen, einem Jungbullen und sechs Kälbern. Damit bildet sie eine Familienstruktur, wie sie schon seit Urzeiten bei Rindern angelegt ist. Da die Herde nun nicht mehr so nah an den Menschen gekoppelt ist, gehen die Jungtiere weitestgehend auf Distanz. Natürlich ist der tägliche Kontrollbesuch weiterhin angesagt. Die Tiere werden mit Wasser versorgt und ab und zu gibt es Leckerli und Mineralstein, im Winter Heu. Damit haben sie mehr Kontakt zum Menschen als in den Highlands, aber dennoch ist es jetzt wichtig die Herde zu verstehen und die Strukturen nicht unnötigerweise zu zerstören, die eine Kleinherde zusammenhält.

 

Die Prägung auf den Menschen

Zur Erinnerung, wir haben mit zwei weiblichen Absetzern, Lise und Lotte, 2005 begonnen. Die beiden wurden zeitweise auch gepflockt und damit natürlich auch geführt. Seitdem sind sie sehr auf den Menschen geprägt. Ein Jahr später kam ein männlicher Absetzer, unser Bulli, dazu. Auch er wurde auf den Menschen geprägt. Seine Ankunft ist mir noch in Erinnerung. Der Alptraum nach dem Kauf eines neuen Tieres ist es für jeden, das es sich nach dem Öffnen des Transportfahrzeugs auf und davon macht. Genau das ist mir passiert. Bevor ich das Halsband anlegen konnte stand Bulli in der Freiheit und ich hatte keine Möglichkeit ihn in einen Gral, Stall oder Fangstand zu treiben. Mein Glück war, dass ich an diesem Tag Zeit hatte. Ich habe sie mir genommen und habe stundenlang mit Bulli auf der Wiese gegrast und geruht, bis ich ihm ohne Zwang das Halsband anlegen konnte. Dieses Verhältnis hält sich bis heute. Wenn ich auf die Weide komme und Bulli anspreche senkt er den Kopf zur Seite und präsentiert mir den Rücken um einmal wieder gut durchmassiert zu werden.

 

Die Leitkuh

Aus dieser Miniherde ist nun also durch Zukauf, unsere Kleinherde geworden, aber zu den Neuerwerbungen (alle als Absetzer gekauft), haben wir nicht mehr diese enge Beziehung, wie zu den ersten drei Rindern. Was aber nie geschieht in unserer Haltung ist das Treiben mit Gewalt. Die Herde muss man wissen wird von der Leitkuh geführt. Vor einem Jahr hat Lise diese Stellung an eine jüngere Kuh, an Lissi, verloren. Die Abgabe dieser Stellung verlief recht ungewöhnlich und hätte Lissi beinahe das Leben an den Fleischer gekostet. Es war Februar, Lise und Lotte waren hochtragend und die Temperaturen gingen nachts auf minus 20 Grad zurück. Da ich von kanadischen Websites weiß, Geburten bis minus 20 Grad sind kein Problem, machte ich mir kaum Sorgen. Bis ich am Abend der Geburt auf die Weide kam. Das Kalb von Lise lag geboren da und Lise signalisierte durch Muttermuhen, das sie keine Annährung der Herde wünschte. Aber Lissi nährte sich, ihr nicht nur, sondern forderte sie eindeutig zur Machtprobe heraus. Ich denke sie hat bewusst die Schwäche von Lise ausgenutzt die führende Position in der Herde zu erstreiten. Was folgt war ein dramatischer Kampf der beiden Kühe, bei dem ich lernte, welche enorme Gewalt diese Tiere, wenn sie verletzen wollen, ausüben können. Was mich erschreckte war die Hartnäckigkeit mit der Lissi auch dann noch auf Lise mit den Hörnern einstach, als diese bereits völlig erschöpft am Boden lag und sich nicht mehr werte. Dabei folgte die gesamte Herde dem Kampf und ich war sehr vorsichtig nicht zu nah an die Streitparteien zu kommen. Keine Angst, meine Herde ist das ganze Jahr die friedlichste Herde die man sich vorstellen kann. Ich berichte hier, weil ich das verstehen dieser Vorgänge für andere Hobbyzüchter erleichtern möchte.

 

Möglichkeiten schaffen um Rinder von einander zu trennen

Nun war aber für mich auch die Zeit der Toleranz überschritten weil ich nicht nur Angst um Lise sondern auch um ihr neu geborenes Kalb bekam. Aber wie soll man zwei Kühe trennen, bei denen sich die Angreiferin wie ein zu allem entschlossener Amokattentäter aufführt. Die Lösung war einfach, ich habe Lissi meine Jacke mit den Ärmeln über die Hörner gezogen und damit, dass sie nur noch kurz vor sich auf den Boden sehen konnte war die Zeit des Kampfes vorbei und sie lief nur noch etwas orientierungslos über die verschneite Weide. Was nun mit Mutter und Kind tun? Das geborene Kälbchen trug ich in den Gral, ein Kreis aus 6 Paturagittern, den ich benutze um die Herde zu scheiden, wenn Kälber verkauft werden. Lise hatte sich nun auch wieder erholt und stand wenigstens wieder auf ihren Beinen. Es ist erstaunlich wie zäh diese Rinder sind. Gut, dass sie zu meinen führigen Rindern gehört, so konnte ich sie mit einem Strick vom Heuballen ebenfalls in den Gral führen. Dort blieben sie gut versorgt 10 Tage und dann kam der gefürchtete Tag, sie wieder in die Herde zu entlassen. Da der Gral in der Weide steht brauchte ich nur die Tür zu öffnen. Neuleitkuh Lissi war sofort zur Stelle. Aber es wurde nur ein kurzes Schieben mit den Geweihen und Lise durfte unbehelligt mit ihrem Kalb ihrer Wege ziehen.

Die Story ist noch nicht ganz zu ende, denn Lotte war nun noch hochtragend aber eben auch noch ranghöher als Lissi. Der Tag ihrer Niederkunft war vierzehn Tage später und es geschah genau dasselbe. Damals wuchs in mir die Entscheidung mich von Lissi zu trennen, sobald ihr zu erwartendes Kalb groß genug wäre.

Ich habe es nicht getan. Die Herde läuft nun auch mit Lissi an der Spitze stabil. Die Altkühe haben nicht versucht ihre Position wieder zu verbessern, als Lissi kalbte und es war recht interessant zu beobachten, dass auch eine neue Leitkuh erst lernen muss wie sie ihre Herde führt, hier gab es einige lustige Situationen, aber der Artikel soll jetzt kein Buch werden.

 

Führen der Herde ohne zu treiben

Zurück zur Handhabung der Herde. Wenn ich die Herde auf eine neue Weide führe geschieht es, indem ich sie mit dem Ruf den ich immer schon gebrauchte locke oder pfeife (klingt etwa so: „Liiise, Lootte“). Da sie mit Leckereien auf dieses Signal trainiert sind, kommt sofort die gesamte Herde. Wenn ich nichts habe ist der Herde heute schon klar, dass es auf eine neue Weide geht, was ja auch Belohnung ist. Meine Weiden liegen recht nah beieinander, aber auch der kleinste Marsch geschieht in der Reihenfolge der alten genetischen Marschordnung: zuerst läuft die Leitku Lissi, die hier meinem Locken folgt. Man kann auch sagen ich bin die Leitkuh. Danach folgen die Mutterkühe und der Jungbulle. Zuletzt läuft Bulli als stärkster Bulle der Herde, wahrscheinlich zur Abwehr des Säbelzahntigers aus grauer Vorzeit. Die Toure geht meist durch den Gral, der ziemlich zentral liegt. Dadurch ist die Herde daran gewöhnt, ihn ständig zu durchqueren. Das ist nicht nur zur Rinderscheide wichtig, sondern auch für die Pflichtbehandlungen, da ich heute an den Gral auch einen Fangstand angeschlossen habe. Das Führen der Herde ohne zu treiben hat aus meiner Sicht nur Vorteile. Die Tiere der Herde sind sehr entspannt und die meisten Arbeiten können allein oder nur mit einem unausgebildeten Helfer erledigt werden. Für die BG: Wir sind natürlich immer zu zweit auf der Weide.

 

Und zum Schluss: Lasst euch nicht abschrecken! In der Verfassung sollte stehen; „Jeder soll seine eigene Herde haben!“

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